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Frieden & Sicherheit-Auslandseinsätze

Deutsche Marinesoldaten beteiligen sich an einem Einsatz der Vereinten Nationen im Libanon. Deutsche Marinesoldaten beteiligen sich an der UNFIL-Mission vor der libanesischen Küste.

Auslandseinsätze

Die Soldaten der Bundeswehr müssen überall auf der Welt zum Einsatz für Frieden und Freiheit, für Menschenrechte, Recht und Gerechtigkeit bereit sein. Das Leitbild vom „Staatsbürger in Uniform“ gilt auch für alle Einsätze im Ausland. Es erfordert eine gute Ausbildung, Verständnis für politische und kulturelle Zusammenhänge und die Überzeugung, dass die Werteordnung des Grundgesetzes schützenswert ist. An welchen Einsätzen ist die Bundeswehr aktuell beteiligt? Welche Aufgaben führen die Soldatinnen und Soldaten vor Ort aus?

Neue Bedingungen für die Außenpolitik

„Heute haben wir andere Gegner – nichtstaatliche Akteure, radikalisierte ethnische oder religiöse Gruppen. Wir haben die die Terrormiliz IS mit einer pseudoreligiösen Ideologie, die mittelalterliche Barbarei und modernste Waffentechnik, Scharia und Internet miteinander verbindet und sich bewusst völlig außerhalb jeglicher internationaler Systeme bewegt. Mit Angst vor dem Tod ist IS nicht zu beeindrucken, weil der Dschihadist den Tod sucht und als Ehre empfindet. Bei dem Maß an Brutalität und Zynismus, mit dem IS vorgeht, kann diese Terrormiliz für niemanden ein Verhandlungspartner sein. Das verändert die Bedingungen für Außenpolitik.“

Quelle: Matthias Naß und Michael Thumann: „Raushalten ist keine Option“, Interview mit Außenminister Frank-Walter Steinmeier vom 23. Oktober 2014, www.zeit.de.
 

Herausforderungen im Auslandseinsatz

Auch im Auslandseinsatz bleibt eine Soldatin oder ein Soldat der Bundeswehr „Staatsbürger in Uniform“ mit seinen Rechten und Pflichten, da die Bundesrepublik Deutschland die Hoheitsgewalt über deutsche Streitkräfte weder an die Vereinten Nationen noch an andere internationale Organisationen überträgt. Rund 2600 deutsche Soldaten sind derzeit im internationalen Einsatz (Stand: April 2015). Der Schwerpunkt der Aufgaben der Bundeswehr wird auf nicht absehbare Zeit jenseits der deutschen Grenzen liegen; der mehrmonatige Dienst ist nicht nur psychisch und physisch belastend. Der Umgang mit fremden Kulturen, der Dienst in multinationalen Kontingenten und der Einsatz in Krisenregionen stellen auch besondere Anforderungen an die Ausbildung und Fähigkeiten der Soldaten, zum Beispiel bei Fremdsprachenkenntnissen und interkultureller Kompetenz.
 

Folgen des Einsatzes

Seit ihrer Gründung 1955 sind 3200 militärische und zivile Angehörige der Bundeswehr im Verlauf der Ausübung ihres Dienstes zu Tode gekommen. Ihre Namen sind am Ehrenmahl der Bundeswehr verewigt. Über 100 Soldatensind in den vergangenen Jahren in Auslandseinsätzen gestorben. Über die Anzahl der verwundeten Soldaten liegen keine offiziellen Daten vor. Neben den physischen Verletzungen kann der Auslandseinsatz auch psychische Folgen haben. Man geht davon aus, dass etwa drei Prozent der Soldaten eine Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) durch den Einsatz davontragen. Die Symptome und die Intensität sind sehr unterschiedlich ausgeprägt. Zudem wird von einer hohen Dunkelziffer ausgegangen, da sich die Betroffenen oftmals nicht trauen, um Hilfe zu bitten. Die Bundeswehr hat für PTBS-Erkrankte eine zentrale Anlaufstelle eingerichtet, die schnelle Unterstützung ermöglicht.
 

Deutsches Engagement in Afghanistan

Deutschland engagiert sich als Teil der internationalen Gemeinschaft in Afghanistan, um zu verhindern, dass das Land wieder zum Rückzugsraum internationaler Terroristen wird, wie es vor dem 11. September 2001 geschehen war. Deutschland  hat sich von Anfang an als Mitgliedstaat der Vereinten Nationen (VN) und seit August 2003 im Rahmen des NATO-Bündnisses engagiert. Dabei geht es im Kern nach wie vor um drei Dinge: die eigene Sicherheit, d. h. die Sicherheit Deutschlands, die Sicherheit der Verbündeten der Bundesrepublik und um die Zukunft Afghanistans. Zentral für den Erfolg ist, dass Afghanistan die Verantwortung für seine Sicherheit selbst übernimmt. Deswegen hilft die Bundesregierung auch besonders beim Aufbau der afghanischen Polizei und Armee. Gleichzeitig unterstützt Deutschland den zivilen Aufbau des Landes. Ende des Jahres 2014 ging die Sicherheitsverantwortung an die afghanische Regierung über. Die ISAF-Truppenstärke wurde daher von 2011 bis 2014 schrittweise zurückgeführt. Einige Truppenkontingente der an der ISAF-Mission beteiligten Staaten sind noch in Afghanistan und unterstützen im Rahmen einer neuen Mission die Sicherheitskräfte bei der Aufnahme ihrer Arbeit. Sicherheit und Wiederaufbau sind untrennbar miteinander verbunden. Seit 2002 hat die Bundesregierung über 550 Millionen Euro für den Wiederaufbau Afghanistans zur Verfügung gestellt. Hunderte deutsche zivile Entwicklungshelfer, Polizisten und Diplomaten haben den politischen, institutionellen und wirtschaftlichen Wiederaufbau im ganzen Land bereits unterstützt. Rund 30.000 deutsche Soldaten haben bisher an der Stabilisierung des Landes mitgewirkt. Darüber hinaus koordiniert Deutschland als Mitglied der europäischen Polizeimission EUPOL den Aufbau einer Polizei in Afghanistan. Mit dem Ende des ISAF-Einsatzes liegt der Schwerpunkt des internationalen Engagements nun im zivilen Bereich. Dennoch ist auch Deutschland mit bis zu 850 Soldaten an der Nachfolgemission Resolute Support (RSM) beteiligt, um den Übergangsprozess militärisch zu sichern, die afghanischen Streitkräfte weiterhin auszubilden, sie zu schulen sowie ihnen in den Bereichen Strategie und Logistik beratend zur Seite zu stehen. Insgesamt 12.000 Soldaten aus den NATO-Staaten sowie aus 14 weiteren Ländern beteiligen sich an der Nachfolgemission.

 

Operation Atalanta - Der Einsatz am Horn von Afrika

Seit Jahren kommt es immer wieder zu gewaltsamen Überfällen von Piraten am Horn von  Afrika. Seit dem Jahr 2008 agiert die Europäische Union im Rahmen der maritimen Operation Atalanta (EU Naval Forces Somalia) vor Ort. Der Marineverband wird hauptsächlich zum Schutz humanitärer Hilfeleistungen und zur gezielten Bekämpfung der Piraterie vor Somalia eingesetzt. Für die deutsche Bundeswehr ergeben sich im Rahmen der Operation Atalanta mehrere Aufgaben. Dazu gehört der Schutz der Schiffe des World Food Programme (WFP), welcher u. a. durch die Präsenz bewaffneter Kräfte an Bord der Schiffe bisher erfolgreich gewährleistet werden konnte. Hinzu kommen der Schutz logistischer Transporte der African Union Mission Somalia (AMISOM) sowie die  Abschreckung, Vorbeugung und Beendigung seeräuberischer Überfälle und die Überwachung der Fischerei vor der somalischen Küste. Eine Verlängerung des Einsatzes um ein weiteres Jahr wurde am 28.4.2015 vom Bundeskabinett beschlossen. Der Deutsche Bundestag muss diesem Beschluss noch zustimmen.

Nach: www.einsatz.bundeswehr.de > Einsätze und Hilfeleistungen > Horn von Afrika (Atalanta).

 

Grafik

Die Textversion der Tabelle finden Sie hier.

Arbeitsvorschläge:

Gruppenarbeit
Recherchieren Sie in Kleingruppen, welche Bedingungen erfüllt sein müssen, bevor deutsche Soldaten an Auslandseinsätzen teilnehmen dürfen. Vergleichen Sie die Ergebnisse, und erstellen Sie anschließend ein Schaubild, das diesen Weg grafisch nachzeichnet.


Einzelarbeit
Sammeln Sie Informationen über die aktuelle Situation in Mali, dem Horn von Afrika und in  Afghanistan. Welche Bedingungen sollten erfüllt sein, um eine eigenständige und  unabhängige Verwaltung des Landes zu erreichen?
 

Gruppenarbeit/Plenum
Erstellen Sie zu den tabellarisch aufgeführten Einsätzen ein Plakat, auf dem Sie die Mission (Art, Umfang, Probleme etc.) vorstellen. Präsentieren Sie die Ergebnisse im Plenum.


Weitere Informationen

 

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