Sie sind hier

Frieden & Sicherheit-Entwicklungspolitik

Indische Dorfbewohner machen mit leeren Tellern auf die Lebensumstrände der hungernden Bevölkerung Indiens aufmerksam. Dorfbewohner machen auf die Lebensumstrände der hungernden Bevölkerung Indiens aufmerksam.

Entwicklungspolitik

Die Bekämpfung von Armut und Hunger sind wichtige Ziele, die sich die Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen gesetzt haben. Ihre Maßnahmen werden durch  internationale Programme unterstützt, deren Umsetzung jedoch auf vielfältige Probleme und Herausforderungen stößt, die sowohl in den Geber- als auch in den Empfängerländern sowie in der internationalen Koordination und Zusammenarbeit zu finden sind.

Armut und Hunger

Nach Definition der Vereinten Nationen und der Weltbank werden Menschen, die weniger als den Gegenwert von 1,25 US-Dollar am Tag zur Verfügung haben, als absolut arm angesehen. Das traf nach Angaben der jährlichen Berichte der Weltbank in den vergangenen Jahren auf rund eine Milliarde Menschen zu. Absolute Armut ist maßgeblich ein großes Problem in weniger entwickelten Ländern. Zu dieser Zahl der absolut Armen werden die Menschenaddiert, die in Industrie- und Schwellenländern in Armut leben. Verdienen sie dort weniger als 60 Prozent des Durchschnittslohns, leben sie nach Definition der Europäischen Union in relativer Armut. Insgesamt sinkt die Zahl der absolut Armen weltweit. Eine Ausnahme dieser positiven Bilanz der vergangenen Jahre stellen die afrikanischen Subsahara-Gebiete, wie Mali und Niger, dar, in denen die Hälfte der Bevölkerung in absoluter Armut lebt. In Entwicklungsländern besteht auch immer ein Zusammenhang zwischen Armut und Hunger. Nach Einschätzungen der Weltbank drohen die weltweit rasant gestiegenen Nahrungsmittelpreise die globale Armut weiter zu verschärfen, denn in Entwicklungsländern müssen die Menscheneinen weit höheren Anteil ihres Einkommens für Lebensmittel ausgeben als die Menschen in Industrieländern. Hinzu kommt, dass viele Kriege- und Konflikte in Entwicklungsländern stattfinden. Dies erschwert die Versorgung der Menschen mit lebenswichtigen Nahrungsmitteln und sauberem Wasser zusätzlich. Verschärft werden diese Krisen durch Naturkatastrophen wie extreme Dürre oder Überschwemmungen.

 

Ziele der deutschen Entwicklungspolitik

In der Entwicklungspolitik kommt der Armutsbekämpfung eine entscheidende Bedeutung zu. Sie wird für die positive Entwicklung eines Landes als ausschlaggebend angesehen. Armut ist häufig sowohl Folge als auch Ursache bewaffneter Konflikte. Entwicklungszusammenarbeit ist daher mehr als eine Frage der Gerechtigkeit und der Solidarität: Es geht auch um die Zukunft der Industrieländer – denn kein Teil der Welt kann sich sicher fühlen, wenn nicht überall Menschen sicher leben können. Aus dieser Erkenntnis heraus ist die Entwicklungspolitik Teil einer umfassenden Friedens-

Und Sicherheitspolitik. Die Leitlinie für das politische Handeln der Bundesregierung ist die so genannte Millenniumserklärung, welche die VN-Generalversammlung bei ihrem Gipfel im September 2000 verabschiedet hat. Mit dieser Erklärung war auch die Formulierung von Entwicklungszielen verbunden, die innerhalb von 15 Jahren erreicht werden sollten.

Diese acht Ziele waren:

1. Beseitigung der extremen Armut und des Hungers,
2. Gewährleistung einer Grundschulausbildung für alle Kinder,
3. Förderung der Gleichstellung und des größeren Einflusses der Frauen,
4. Senkung der Kindersterblichkeit,
5. Verbesserung der Gesundheit von Müttern,
6. Bekämpfung von HIV/Aids, Malaria und anderen Krankheiten,
7. Sicherung der ökologischen Nachhaltigkeit sowie
8. Aufbau einer globalen Partnerschaft im Dienst der Entwicklung.


Aktionsprogramm 2015

Die Millenniums- und Entwicklungsziele der internationalen Gemeinschaft werden durch nationale Programme unterstützt. Auch die Bundesrepublik Deutschland formulierte ein Aktionsprogramm, das die acht Ziele der VN-Mitgliedstaaten durch die ressortübergreifende Zusammenarbeit erreichen sollte. Der Zeitraum zur Verwirklichung der Maßnahmen ist zunächst bis zum Jahr 2015 begrenzt. Da nicht alle Forderungen in den letzten 15 Jahren realisiert werden konnten, besteht weiterhin Handlungsbedarf, um Armut und Hunger zu bekämpfen. Für die Zeit nach 2015 werden bereits neue Ziele und Fördermaßnahmen erarbeitet.

Die zehn wichtigsten Punkte des Programms sind:

  • die wirtschaftliche Dynamik und die aktive Beteiligung der Armen erhöhen,
  • das Recht auf Nahrung verwirklichen und Agrarreformen umsetzen,
  • faire Handelschancen für die Entwicklungsländer schaffen,
  • Verschuldung abbauen und Entwicklung finanzieren,
  • soziale Grunddienste gewährleisten und soziale Sicherheit stärken,
  • Zugang zu lebenswichtigen Ressourcen sichern und eine intakte Umwelt fördern,
  • Menschenrechte verwirklichen und die sozialen Standards der Arbeitsschutzregelungen respektieren,
  • Konflikte friedlich austragen und menschliche Sicherheit und Abrüstung fördern,
  • die Gleichberechtigung der Geschlechter fördern,
  • die Beteiligung der Armen am gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Leben sichern und verantwortungsvolle Regierungsführung stärken.


Quelle: www.armut.de > Bekämpfung der Armut > Deutsche Strategien > Aktionsprogramm 2015 der Bundesregierung.


Probleme und Herausforderungen

In der Entwicklungspolitik gibt es Probleme und Herausforderungen, welche die Durchführung der Programme oftmals erschweren. Die Ursachen hierfür liegen jedoch nicht ausschließlich in den Empfängerländern. Auch die politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Struktur der Geberländer und die internationale Entwicklungszusammenarbeit spielen eine wichtige Rolle. Beispiele für Probleme und Herausforderungen, denen sich die Entwicklungspolitik stellen muss, sind:

  • Mangel an Bildung und Ausbildung,
  • Krankheiten, vor allem HIV und AIDS,
  • hohe Kindersterblichkeit und geringe Lebenserwartung,
  • zu wenig Geld für die Entwicklungshilfe (in der EU geben nur sechs Länder die vereinbarten 0,7 Prozent ihres BIP*),
  • bewaffnete Konflikte, Flucht und Vertreibung, Terrorismus,
  • schlechte Regierungsführung und fehlende Demokratie, ungleiche Landverteilung und ungesicherte Pachtverhältnisse,
  • Klimaveränderungen, Naturkatastrophen und Raubbau an der Natur,
  • schlechte Infrastruktur,
  • hohes Bevölkerungswachstum,
  • hohe Verschuldung,
  • Korruption/Kriminalität,
  • sinkende Weltmarktpreise und hohe Schutzzölle für Produkte von Entwicklungsländern,
  • Billigeinfuhren von in entwickelten Ländern bezuschussten Nahrungsmitteln,
  • Billigeinfuhren von in höher entwickelte Probleme und Herausforderungen

 

*Dies sind Dänemark, Luxemburg, die Niederlande, Norwegen, Schweden und Finnland.
 

Grafik

Die Textversion der Tabelle finden Sie hier.

 

Arbeitsvorschläge:

Gruppenarbeit
Recherchieren Sie den aktuellen Stand von einem Ziel der VN-Millenniumskampagne. Stellen Sie dar, wie hoch die Wahrscheinlichkeit seitens der VN-Mitgliedstaaten eingeschätzt wird, dieses Ziel zu erreichen, und welche Entwicklungen dem entgegenstehen.
 

Einzelarbeit/Partnerarbeit
Erschließen Sie anhand der Daten in der Tabelle und unter Zuhilfenahme der Daten des Human Development Index zunächst in Einzelarbeit, welche einzelnen Faktoren miteinander in Zusammenhang stehen. Erläutern Sie sich im Anschluss gegenseitig Ihre Ergebnisse. Entwickeln Sie gemeinsam Vorschläge und Maßnahmen, um Armut erfolgreich zu bekämpfen.

 

Weitere Informationen

 

Blick ins Heft

Schülermagazin 2015/2016

Das aktuelle Schülermagazin Frieden & Sicherheit können Sie als E-Book ansehen und als PDF-Datei herunterladen.

Nachschlagen

Hier finden Sie eine kommentierte Linksammlung zu Themen der Friedens- und Sicherheitspolitik sowie zu weiterführenden Angeboten der schulischen und außerschulischen politischen Bildung.

Herausgeber

 

Logo Stiftung Jugend und Bildung