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Frieden & Sicherheit-Massenvernichtungswaffen

Schüler lernen von Blauhelm-Soldaten der UNIFIL-Mission im Libanon Minen aufzuspüren. Auf der Suche nach Minen im südlibanesischen Ort Naqura.

Massenvernichtungswaffen

Durch neue Krisen und Kriege bleiben Massenvernichtungswaffen eine Bedrohung für die Menschen. Gerade in Ländern, in denen staatliche Strukturen fehlen, ist eine Verwendung von atomaren, chemischen und biologischen Kampfmitteln nur schwer zu kontrollieren.Sie stellen die internationale Gemeinschaft vor neue Aufgaben. Welche wichtigen Verträge wurden seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs geschlossen, um den Gebrauch von Massenvernichtungswaffen weltweit einzudämmen?

Verbreitung von Massenvernichtungswaffen

Atomare, biologische und chemische Kampfmittel werden als Massenvernichtungswaffen (MVW) bezeichnet, weil sie sehr viele Menschen gleichzeitig töten können. Grundsätzlich sind biologische und chemische Waffen leichter herzustellen als Atomwaffen. Ihre Verbreitung ist nur schwer zu kontrollieren. Mehrere Gruppen von Staaten verfügen über Massenvernichtungswaffen. Dazu zählen die fünf offiziellen Atommächte USA, Russland, Großbritannien, Frankreich und China, die den Atomwaffensperrvertrag unterzeichnet haben und sich unter die Kontrolle der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) stellen. Sie haben ihr Atomprogramm zu Versuchszwecken verwendet – mit Ausnahme der USA: Am Ende des Zweiten Weltkriegs im Jahr 1945 warfen sie zwei Atombomben über den japanischen Städten Hiroshima und Nagasaki ab, um die Kapitulation Japans zu erzwingen. Seit 1998 sind Indien und Pakistanebenfalls Atommächte. Auch Israel wird inoffiziell zu dieser Gruppe gezählt. Nordkorea bezeichnet sich seit 2012 in seiner Verfassung als  Atommacht. Der Iran steht im Verdacht, Atomwaffen zu entwickeln oder zu besitzen. Keiner dieser Staaten hat den Atomwaffensperrvertrag unterzeichnet. Biologische Kampfmittel werden zwar produziert, wurden aber bisher nicht von Staaten eingesetzt. In der Hand von Extremisten können daraus gefährliche Waffen werden. Aber auch schädliche Stoffe wie Viren, Bakterienoder radioaktives Material können durch den beschleunigten globalen Austausch von Waren und Dienstleistungen sowie durch die zunehmende Mobilität der Menschen unkalkulierbar verbreitet werden. Sie sind zu einer Gefährdung geworden, die schwer zu kontrollieren ist. Chemische Waffen, z. B. Senfgas, wurden im Ersten Weltkrieg u. a. von deutscher Seite eingesetzt. Im Jahr 1988 bombardierte die irakische Armee kurdische Dörfer im Nordirak mit chemischen Kampfstoffen. Im syrischen Bürgerkrieg setzte die politische Führung des Landes in einigen Städten im Sommer 2013 Chemiewaffen gegen die Zivilbevölkerung ein.
 

Vernichtung syrischer Chemiewaffen

„Mit dem völkerrechtswidrigen Einsatz von Chemiewaffen gegen die Zivilbevölkerung erreichte der Bürgerkrieg in Syrien im Sommer 2013 eine neue Dimension. Nach Drohung der USA mit einem Militärschlag und einer Vereinbarung der USA mit Russland zur Abrüstung der syrischen Chemiewaffen erklärte sich das syrische Regime zur Vernichtung seiner Chemiewaffen bereit. Diese sollten nach Beschlüssen der Vereinten Nationen (VN) und der Organisation für das Verbot der Chemiewaffen (OVCW) bis Mitte 2014 außerhalb Syriens vernichtet werden. Am 23.6.2014 wurden die letzten von Syrien deklarierten Chemiewaffen auf dem Seeweg aus Syrien abtransportiert. […] Deutschland [übernahm] Anfang September [2014] ca. 370 t [hydralisierte] Reststoffe […] und verbrachte sie nach Munster (Niedersachsen). Dort [wurden] sie […] von der bundeseigenen „Gesellschaft für die Entsorgung von chemischen Kampfstoffen und Rüstungsaltlasten mbH" […] rückstandsfrei verbrannt."

Quelle: www.auswaertiges-amt.de > Außen- und Europapolitik > Frieden und Sicherheit > Abrüstung und Nichtverbreitung.
 

Bedrohungen und Angriffe aus dem Internet

Seit der Jahrtausendwende sind Angriffe auf Computernetzwerke bekannt. In Estland legten Hacker 2007 tagelang die Regierungsgeschäfte lahm. Im Jahr 2010 wurden mit dem Programm Stuxnet gezielt Steuerungssysteme von Siemens in Deutschland infiziert. Stuxnet ist darauf programmiert, Industrieanlagen zu sabotieren. Unbemerkt drang das Programm auch in die Rechner iranischer Atomaufbereitungsanlagen ein und beschädigte dort die zur Urananreicherung benutzten Zentrifugen. 2011 hatten sich Hacker Zugriff auf zehntausende geheime Militärdaten aus dem US-Verteidigungsministerium verschafft. Je mehr Steuerungssysteme zentralisiert und vernetzt werden, desto anfälliger werden sie für einen Angriff. Es können Stromversorgungssysteme betroffen sein, Kommunikationsnetze, Steuerungssysteme für Waffensysteme und Flugzeuge oder auch Überwachungsanlagen. Dadurch kann das öffentliche Leben empfindlich gestört und lebenswichtige Infrastruktur lahmgelegt werden.
 

Staatszerfall und Massenvernichtungswaffen

Das wichtigste Instrument zur Kontrolle des Baus und der Verbreitung von Atomwaffen ist der Atomwaffensperrvertrag von 1968. Die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEO) in Wien überwacht in den Unterzeichnerstaaten, dass die Bestimmungen eingehalten werden. Mit den Verträgen zum Verbot chemischer und biologischer Waffen von 1975 und 1997 wurden wichtige Schritte auf dem Weg zu einem vollständigen Verzicht auf biologische und chemische Kampfstoffe verwirklicht. In Ländern, die durch Staatszerfall gefährdet sind, können jedoch Massenvernichtungswaffen in die Hände von terroristischen Gruppen gelangen. Dies ist ein Grund, weshalb die Mitglieder der internationalen Staatengemeinschaft zusammenarbeiten, um die Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen zu verhindern.

 

Grafik

Die Tabelle als Textversion finden Sie hier.


Arbeitsvorschläge:

Gruppenarbeit
Recherchieren Sie in verschiedenen Medien einen historischen oder aktuellen Konflikt, in dem Massenvernichtungswaffen zum Einsatz kamen. Referieren Sie darauf aufbauend Hintergrund, Ablauf und Konsequenzen des Konfliktes als Grundlage für eine Diskussion in der Klasse.

Einzelarbeit
Arbeiten Sie die deutsche Position zu Massenvernichtungswaffen, Abrüstungsvorhaben und Landminenächtung heraus.

Partnerarbeit
Stellen Sie in einem Kurzreferat (5 bis 10 Minuten) einen Vertrag/ ein Übereinkommen aus der Tabelle „Kontrolle von Massenvernichtungswaffen“ vor.
 

Weitere Informationen

 

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