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Frieden & Sicherheit-Zivilgesellschaft und Nichtregierungsorganisationen

Freiwillige Mitarbeiter des Roten Kreuzes versorgen Flüchtlinge im Kosovo Freiwillige Mitarbeiter des Roten Kreuzes versorgen im Jahr 2004 Flüchtlinge im Kosovo.

Zivilgesellschaft und Nichtregierungsorganisationen

Neben staatlichen Institutionen, der Wirtschaft und der Familie umfasst der Begriff Zivilgesellschaft das vielfältige bürgerschaftliche Engagement. Die am Gemeinwohl orientierten Nichtregierungsorganisationen (Englisch: Non-Governmental Organization, kurz: NGO) sind vorwiegend in den Bereichen humanitäre Hilfe, Menschenrechte, Umwelt und Entwicklungspolitik engagiert. Mit der zunehmenden Vernetzung aller Lebensbereiche haben sich zivilgesellschaftliche Akteure wie Initiativen, Vereine und Verbände auch grenzüberschreitend organisiert. 

Formen zivilgesellschaftlichen Engagements

Bürgerschaftliches Engagement und soziale Bewegungen sind nicht voneinander zu trennen. Die Beteiligung in sozialen Bewegungen, politischen Kampagnen, Bürgerinitiativen und Protestgruppen als mögliche Formen des Engagements hat in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen. Dagegen haben konventionelle Formen der politischen Partizipation wie die Ausübung des Wahlrechts oder Mitgliedschaften in Parteien und Gewerkschaften in den vergangenen beiden Jahrzehnten an Zuspruch verloren. Ausdruck zivilgesellschaftlichen Engagements waren vor 1989 in Westdeutschland z. B. die Protestbewegungen gegen den Ausbau der Kernenergie oder die atomare Bewaffnung, die über gesellschaftliche Schichten hinweg breite Aufmerksamkeit erzielen konnten. In der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) entwickelte sich im Untergrund eine Bürgerrechtsbewegung, die sich gegen die Repression der Sozialistischen Einheitspartei und die Einschränkung bürgerlicher Grundrechte durch den Staat richtete. Ihr jahrelanger friedlicher Protest, z. B. die Aktion „Schwerter zu Pflugscharen“ des evangelischen Kirchentags 1983 in Wittenberg oder die Bürgerrechtsbewegungen in Leipzig und Dresden, trug im Jahr 1989 zum Zusammenbruch des DDR-Systems und zur  Wiedervereinigung Deutschlands bei. In der globalisierten Welt haben internationale Umweltschutz-, Menschenrechts- oder globalisierungskritische Organisationen wie Greenpeace oder Amnesty International an Bedeutung gewonnen. Bürger aller politischen Überzeugungen und Richtungen möchten sich für ihre Ideale engagieren und wollen die Zukunft der Welt aktiv mitgestalten. In den NGOs finden sie dann die Organisationsform und Mitstreiter für ihre Anliegen. Wenn die Vereinten Nationen große Kongresse oder Konferenzen einberufen, kommen sowohl die von den jeweiligen Staaten offiziell beauftragten Diplomaten und Vertreter als auch Vertreter von Nichtregierungsorganisationen zusammen. Die Bedeutung internationaler Nichtregierungsorganisationen zeigt sich auch durch ihre stark gestiegene Anzahl: Während es im Jahr 1960 gut 1200 gab, konnten bereits 1990 über 22.000 Nichtregierungsorganisationen gezählt werden. Im Jahr 2014 wurden über 67.000 NGOs durch das internationale Institut „Union of International Associations“ erfasst.


Zivile Konfliktbearbeitung

Konflikte, vor allem Kriege, müssen oftmals militärisch beendet werden, um die Gewalt zu stoppen. Die dann folgende und notwendige Konfliktbearbeitung wird von vielen Nichtregierungsorganisationen mitgetragen, die unterschiedliche Vorgehensweisen der Auf- und Verarbeitung und der Krisenprävention anwenden.

Dazu gehören beispielsweise:

  • Dialog und Schlichtung anregen
  • ehemalige Kriegsteilnehmer in Gesellschaft und Alltag wiedereingliedern
  • Wiedergutmachung
  • Täter-Opfer-Ausgleich
  • heimkehrenden Flüchtlingen bei der Integration helfen
  • benachteiligte Gruppen stärken


Quelle: Konsortium Ziviler Friedensdienst (Hrsg.): Wir scheuen keine Konflikte, Unterrichtsmaterialien zur Konfliktbearbeitung, www.ziviler-friedensdienst.org.


Beispiele zur Förderung der konstruktiven Vergangenheitsbewältigung

In der Region des westlichen Balkans* lassen sich zwei zentrale Herausforderungen für Friedensaufbau erkennen: Vergangenheitsarbeit und Stärkung der interethnischen Beziehungen im Bildungssystem. Die NGO KURVE Wustrow arbeitet mit der 1997 gegründeten Nichtregierungsorganisation „Centar za nenasilnu akciju“ (Centre for Nonviolent Action = CNA) zusammen. CNA hat Büros in Belgrad und Sarajevo. Der Zivile Friedensdienst (ZFD) unterstützt v. a. die Veteranenarbeit mit Diskussionsforen, gemeinsamen Besuchen an Orten der Kriegsverbrechen und durch Medienarbeit, zum Beispiel. durch Dokumentarfilme. Die Partnerorganisation „Mirovna Akcija“ (Peace Action) in Mazedonien engagiert sich ebenfalls im Versöhnungsprozess. Neben der Sammlung von Zeitzeugenberichten geht es um die Publikation von Materialien zur Vergangenheitsarbeit in mazedonischer und albanischer Sprache. Zur Sensibilisierung von Kriegsveteranen und Kriegsopfern für ihre besondere Rolle im Versöhnungsprozess werden Dialogtreffen und Trainingsmaßnahmen durchgeführt.

* Projektländer: Serbien, Bosnien und Herzegowina, Mazedonien.

Quelle: www.ziviler-friedensdienst.org > Aus dem ZFD > Projekte


Beispiele zivilgesellschaftlichen Engagements

DEIN TAG FÜR AFRIKA:

„Aktion Tagwerk e. V.“ organisiert die bundesweite Kampagne„ Dein Tag für Afrika“ für Schülerinnen und Schüler aller Altersstufen und Schulformen. 2014 engagierten sich rund 180.000 Schüler aus 620 Schulen. Sie leisteten Hilfsdienste im Freundes- und Familienkreis oder veranstalteten gemeinsame Aktionen im Klassenverband. Den Lohn ihres „Tagwerks“ spendeten sie für Bildungsprojekte in Burundi, der Elfenbeinküste, Ruanda, Südafrika und Uganda. Der Gesamterlös des Jahres 2014 wird auf 1,2 Millionen Euro geschätzt.

Quelle: www.aktion-tagwerk.de.
 

DER ZIVILE FRIEDENSDIENST:

Der „ZivileFriedensdienst“ ist ein Programm von deutschen Friedens- und  Entwicklungsorganisationen, das vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) finanziert wird. Fachkräfte unterstützen dabei örtliche Partnerorganisationen in Krisenregionen, gewaltsame Konflikte im Vorfeld zu verhindern (Krisenprävention), friedlich beizulegen (Gewaltminderung) und friedensfördernde Strukturen auf- und auszubauen (Konfliktnachsorge).

Quelle: www.ziviler-friedensdienst.org.
 

SOZIALER TAG:

Jedes Jahr organisiert der als Schülerinitiative gegründete Verein „Schüler Helfen Leben e. V.“ den bundesweiten Sozialen Tag, an dem Schüler jeder Altersstufe und Schulform teilnehmen können. Sie suchen sich an diesem Tag einen Job – helfen im Garten oder waschen das Auto des Nachbarn – und spenden ihren Lohn. Mit den Einnahmen werden Kinder und Jugendliche in Flüchtlingslagern in Bosnien sowie in Jordanien an der Grenze zu Syrien unterstützt. 2014 haben sich mehr als 80.000 Schüler am Sozialen Tag beteiligt.

Quelle: www.schueler-helfen-leben.de.


Arbeitsvorschläge:

Gruppenarbeit/Plenum
Erstellen Sie in einer Kleingruppe eine erste eigene Definition des Begriffs „Zivilgesellschaft“. Stellen Sie das Ergebnis vor, und erläutern Sie den anderen Gruppen Ihre Erarbeitung.

Partnerarbeit
Machen Sie sich zu zweit mit einem Projekt des Zivilen Friedensdienstes, z. B. dem Balkan-Projekt, vertraut. Erläutern Sie, inwiefern die in der Übersicht „Zivile Konfliktbearbeitung“ genannten Vorgehensweisen hier relevant sein könnten.

Plenum
Begründen Sie, welche Rolle die Konfliktnachsorge bei der Friedenspolitik spielt. Zeigen Sie mithilfe einer Mindmap auf, welche Folgen es für die Bevölkerung, die internationalen Beziehungen, die sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse und die ehemaligen Konfliktparteien haben kann, wenn eine Aufarbeitung nach einem gewaltsamen Konflikt unterbleibt.
 

Weitere Informationen

 

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Schülermagazin 2015/2016

Das aktuelle Schülermagazin Frieden & Sicherheit können Sie hier als PDF-Datei herunterladen.

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Hier finden Sie eine kommentierte Linksammlung zu Themen der Friedens- und Sicherheitspolitik sowie zu weiterführenden Angeboten der schulischen und außerschulischen politischen Bildung.

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